rbb: BER ist gleich ein Sanierungsfall

Es fehlen mehrere Milliarden Euro – Sanierungskonzept gefordert

BER-Terminal bei Nacht (© A. Obst, M. Schmieding/FBB)
BER-Terminal bei Nacht (© A. Obst, M. Schmieding/FBB)

Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender von Bü90/Die Grünen im Bundestag, fordert ein Sanierungskonzept für den Hauptstadtflughafen BER. Hofreiter reagierte damit auf eine bislang unveröffentlichte Studie, die der Redaktion rbb24 Recherche und dem Berliner „Tagesspiegel“ vorliegt. Die Autoren der unabhängigen Studie, Wirtschaftsprüfer und Bilanzexperten, haben eine Prognose für die Jahre bis 2023 erstellt. Grundlage sind veröffentlichte Zahlen der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) sowie öffentlich zugängliche Studien zur Entwicklung des Flugverkehrs. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass die FBB überschuldet sei und ein Sanierungsbedarf in Höhe von 3 bis 4 Milliarden Euro besteht.

Hofreiter erklärte gegenüber rbb24 Recherche, nach der enormen Steigerung der Baukosten durch Rück- und Umbauten seit 2012 sei dies die Mindestsumme, von der er ausgehe: „Der BER wird aufgrund der hohen Kostensteigerungen über die Fluggasteinnahmen beziehungsweise über die Einnahmen vom örtlichen Handel und das, was die Fluggesellschaften zahlen, in den nächsten Jahren, Jahrzehnten keine schwarzen Zahlen schreiben können.“ Zudem müssten die geplanten Erweiterungen auf den Prüfstand gestellt werden.

Koffer am Check In (Foto: G. Wicker/FBB)

Bislang haben die Eigentümer der FBB, die Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bund, für das laufende Jahr eine Kapitalerhöhung von 300 Millionen Euro zugesagt. Zusätzlich will die FBB noch Kredite für 792 Millionen Euro aufnehmen, für die Hälfte sollen die Eigentümer bürgen. Die Autoren der Studie verweisen auf einen darüberhinausgehenden Kapitalbedarf und stützen sich dabei auf die bislang veröffentlichten Zahlen der FBB zu Kredit- und Zinslasten, sowie die Entwicklung der Personal-,Sach- und künftigen Investitionskosten. Bis 2023 könnten der FBB bis zu 1,5 Milliarden Euro fehlen, die von den bisherigen knapp 1,1 Milliarden Euro nur zum Teil gedeckt werden. Damit drohe der FBB die Insolvenz, so die Autoren.

Bei ihren Berechnungen gehen die Autoren davon aus, dass die aktuelle Corona-Krise einen wirtschaftlich eher leichten Einbruch im Flugverkehr auslöst und im Jahr 2021 eine Steigerung zu erwarten ist.

Die FBB erklärte auf Anfrage, dass die bisherigen Jahresabschlüsse von unabhängigen Wirtschaftsprüfern „intensiv geprüft worden“ seien und dass sie sich „an Spekulationen zum zukünftigen Finanzbedarf der FBB“ nicht beteiligen würde.

ots/rbb

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