Darum fliegt Emirates nicht nach Berlin

In regelmäßigen Abständen vermeldet die Presse, dass Emirates bald nach Berlin kommen will – doch es gibt eine große Hürde.

Emirates, Airbus A380 A6-EVG (BER 2.6.2024)
Emirates, Airbus A380 A6-EVG zur ILA 2024 (BER 2.6.2024)

Kurz vor Weihnachten war es mal wieder so weit: „Emirates kommt nach Berlin“ titelte die Zeitung mit den vier großen Buchstaben. Zu Wort kommen der Regierende Bürgermeister sowie Touristik- und Wirtschaftsverbände. Der Artikel ergab dann aber keine neuen Erkenntnisse, denn die arabische Airline versucht seit 2004 (!) Berlin in ihr Streckennetz zu integrieren, scheitert jedoch regelmäßig. Doch warum?

Was die BILD und auch andere Tageszeitungen, die die Meldung aufgegriffen hatten, nicht oder nur kurz am Rande erwähnen: Emirates hat keine Verkehrsrechte für ein weiteres Ziel in Deutschland! Ein durchaus wichtiger Hinweis, der deutlicher gegenüber den Lesern herausgestellt werden muss. Und auch diese Erkenntnis ist nicht neu.

Verkehrsrechte werden zwischen zwei Staaten verhandelt – in diesem Fall zwischen den Verkehrsministerien von Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emirates (VAE). Der seit Jahrzehnten gültige Staatsvertrag erlaubt den Fluggesellschaften beider Länder drei Ziele im jeweils anderen Land anzufliegen. Emirates bediente in Deutschland zunächst Frankfurt, München und Düsseldorf ab Dubai.

Hamburg als 4. Ziel

Um die Jahrtausendwende ging es dann los, dass die arabische Airline ein weiteres Ziel – nämlich Hamburg ebenfalls ansteuern wollte. Das ließ der Staatsvertrag aber nicht zu. Lobbyisten wurden in die Bahnen geschickt und machten gut Wetter. Lufthansa als größte deutsche Fluggesellschaft mauerte, denn man hatte natürlich kein Interesse daran, die Premiumairline vom Golf weiter zu stärken. Doch das Emirat spielte eine Trumpfkarte aus: schließlich sei man größter Kunde des Airbus A380, der in Hamburg gebaut wurde und tausende Arbeitsplätze sicherte. Und so kam es, dass Emirates doch noch ein viertes Ziel in Deutschland bedienen durfte: Hamburg. Seitdem heißt es im Staatsvertrag 3+1 Ziele in Deutschland für Airlines aus der VAE.

Cabin Crew bei Emirates (© Emirates)

Und bald Berlin (und Stuttgart)?

Das weckte natürlich Begehrlichkeiten und es dauerte nicht lange, da ließ man verlauten, dass nun auch Berlin und Stuttgart in das EK-Streckennetz integrierte werden sollen. Seitdem schickt Emirates zu jeder ILA einen Airbus A380 nach Berlin, der dort mehrere Tage verweilt, um den Anspruch zu untermauern. Bundeskanzlerin und Bürgermeister werden mehr oder weniger mit wirtschaftlichen Druck (wichtiger Airbus-Kunde!) zu einem Pressetermin einbestellt und das ganze im Anschluss mit allen PR-Mitteln ausgeschlachtet. Aus den Pressestellen der Berlin/Brandenburger Wirtschaft sowie Touristik ertönt kurz darauf, wie wichtig es sei, dass Emirates nach Berlin kommen darf. Die rechtliche Lage wird in keinster Weise dargelegt und unter den Tisch fallengelassen. Und das geht so nun schon seit über 20 Jahren.

Wird es nun diesmal anders werden? Wird der Verkehrsvertrag auf höchster ministrieller Ebene zu einem 3+2 ausgebaut? Oder gar 3+3, wenn man Stuttgart auch einbezieht? Ich denke, eher nicht. Auch wenn sich Emirates bereits Slots ab Frühjahr 2026 am BER gesichert haben soll. Nur weil das wirtschaftlich schwache Berlin/Brandenburg sich davon etwas verspricht, werden noch lange nicht Staatsverträge angefasst. Auch die politisch gut vernetzte Lufthansa-Gruppe wird ihre Lobbyisten wieder in die Spur schicken. Denn was könnten die Emirate denn den deutschen Airlines als Ausgleich anbieten? Weitere Ziele in der Wüste? Sinnvoll sind derzeit nur Dubai und Abu Dhabi. Eine Zeit lang wurde auch der auf Fracht spezialisierte Flughafen Sharjah von Deutschland aus angeflogen. Aber mehr ist nunmal nicht vorhanden. Fujairah? Macht wirtschaftlich wohl eher keinen Sinn.

Der 100. A380 der Emirates trägt eine Sonderbemalung (Foto: Emirates)

Das weiß Emirates natürlich auch und bietet der Lufthansa seit Jahren eine Art „Open Sky“ an – also völlige Freiheiten zwischen beiden Ländern. Nur können die Emiratis vor Ort auf eine ganz andere Kostenbasis (Arbeitskräfte, Infrastruktur) zurückgreifen, als ausländische Airlines. Inzwischen hat man mit Dubai World Central Airport (DWC) einen kompletten Flughafen nur für Emirates aus dem Wüstenboden gestampft, während alle andere Airlines am bisherigen Dubai Airport (DXB) verbleiben sollen.

Emirates kann jederzeit nach Berlin fliegen, wenn…

Und so bleibt es wohl dabei, dass Emirates kein weiteres Ziel in Deutschland bekommt; einen besonderen Joker wie damals mit Airbus in Hamburg hat man wohl nicht im Ärmel. Aber Emirates könnte jederzeit Berlin als Ziel in ihr Streckennetz aufnehmen: wenn sie auf eines der jetzigen vier Ziele verzichtet. Also beispielsweise Düsseldorf oder Hamburg streicht. Dann ginge das sofort, denn es bleibt ja dann bei 3+1 Ziele in Deutschland. Aber das ist wohl nicht zu erwarten, denn die jetzigen Destinationen sollen zu gut laufen, als dass man für Berlin darauf verzichten würde.

Daher ging Emirates einen Deal mit Condor ein, die seit 2024 zwischen Berlin und Dubai fliegt, jedoch mit eher weniger beliebten Standardrumpfflugzeugen vom Typ Airbus A321 – also mit nur einem Mittelgang. Zudem gibt es an Bord kein Entertainmentsystem (es gilt: bring your own device), Mahlzeiten nur gegen Aufpreis und weder Business oder First Class. Passagiere können aber durchchecken und im Anschluss mit Emirates ab Dubai weiterfliegen.

Und sogar Eurowings hat 2023 eine Route zwischen BER und Dubai eingerichtet; nutzt hierfür jedoch noch kleinere Airbus A320neo mit dem üblichen Eurowings-Angebot an Bord, wie man es auf Europaflügen vorfindet. Also nichts mit dem Glamour der Emirates…

Im Nachbar-Emirat Abu Dhabi (ebenfalls VAE) gibt es zudem noch Etihad Airways, die mal an Air Berlin beteiligt und am Ende der Sargnagel war. Die einstigen Global-Player-Ambitionen wurden zuletzt aber deutlich zurückgefahren. In Deutschland werden somit die gleichen Ziele wie von Emirates bedient; nur eben ab Abu Dhabi.

Und Qatar Airways?

Qatar Airways am Terminal 1 des BER (Foto: G. Wicker/FBB)
Qatar Airways am Terminal 1 des BER (Foto: G. Wicker/FBB)

Unweigerlich kommt einem aber eine weitere Premium-Airline vom Golf in den Sinn: Qatar Airways. Wie läuft es eigentlich dort? Da diese Fluggesellschaft aus Katar kommt, gilt hier ein anderer Staatsvertrag: diesmal sind nicht die Ziele in Deutschland, sondern die Flugfrequenzen pro Woche gedeckelt. So darf Qatar Airways bis zu 49 Flugpaare von Doha nach Deutschland anbieten und diese Frequenzen frei übers Land verteilen. Wenn man wollte, könnte Qatar Airways auch von Rostock oder Paderborn nach Doha fliegen. Wirtschaftlich sicher nicht sinnvoll… Haben die Qataris besser verhandelt? Auf jeden Fall später, denn Emirates hob bereits 1986 in Richtung Deutschland ab (mit A310 nach Frankfurt). Da dachte noch niemand daran, dass sich daraus mal ein ernster Premium-Gegner auf der Langstrecke entwickeln würde.

op/Berlinspotter.de

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