Small Planet Airlines ist pleite

Erneut hat es eine deutsche Airline erwischt: Die Berliner Charterairline Small Planet hat Insolvenz beantragt. Die finanzielle Schieflage ist wohl hausgemacht.

Small Planet Airlines Germany, Airbus A321-200 D-ASPC (SXF 9.5. 2018)

Small Planet Airlines Germany, Airbus A321-200 D-ASPC (SXF 9.5. 2018)

Die Berliner Charterfluggesellschaft Small Planet Airlines GmbH hat sich für eine Unternehmensrestrukturierung entschlossen und am 18. September 2018 beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg einen Antrag auf Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt mit dem Ziel, den Flugbetrieb der Airline auch langfristig aufrechtzuerhalten.

Das bedeutet:

  • Alle Flüge von und nach Deutschland und den Niederlanden werden weiterhin von Small Planet Airlines Deutschland durchgeführt
  • Gebuchte Tickets behalten ihre Gültigkeit
  • Alle Flugpläne bleiben gültig

Das Luftfahrtbundesamt hat laut Small Planet gegen die Weiterführung des Flugbetriebes keine Einwände geäußert. Das Unternehmen arbeitet an der Lösung den Flugbetrieb langfristig aufrechtzuerhalten. Das Amtsgericht hat den Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung genehmigt und als Sachwalter Herrn Joachim Voigt-Salus bestellt.

Hintergrund des erfolgten Schrittes ist die angespannte finanzielle Lage auf Grund der Geschehnisse des aktuellen Sommers, hieß es in der Mitteilung. In den vergangenen Wochen und Monaten kam es immer wieder zu heftigen Verspätungen. Laut Flugrechtsportalen warten 20.000 Kunden auf Entschädigungszahlungen. Mit der Insolvenz und Neustrukturierung entledigt man sich wohl davon.

Auf dem Rücken der Passagiere

Ein Kommentar von Stefan Schelp

Stellen Sie sich vor, Sie haben sich seit Wochen auf den Teneriffa-Urlaub gefreut. Sie sind am Flughafen – und der Flieger hebt nicht ab. Weil gar keiner da ist. Als die Ersatzmaschine endlich startklar ist, müssen 40 Passagiere aussteigen. Andere sind gezwungen, den Umweg über Gran Canaria anzutreten. Der Horror? Bei der Fluggesellschaft Small Planet waren solche Geschichten in den vergangenen Wochen beinahe an der Tagesordnung. Mal lag es am Fluglotsenstreik in Frankreich, mal an Wetterkapriolen, mal am Partnerunternehmen. Zuletzt hieß es, wenn sich die Fluggäste nicht so aufgeregt hätten, hätte der Flieger zumindest etwas weniger unpünktlich abheben können. Eine Frechheit gegenüber all jenen, die nicht zu knapp dafür bezahlt haben, dass die Fluggesellschaft sie in den Urlaub bringt.

Bei Small Planet ist in diesem Jahr so ziemlich alles schiefgegangen, was schiefgehen konnte. Vermutlich lag das daran, dass das Unternehmen aus der Insolvenz von Air Berlin Kapital schlagen wollte, sich im Aufwind wähnte und kräftig wachsen wollte. Zuletzt waren die Regress-Ansprüche wegen verspäteter Flüge so groß, dass das Unternehmen nicht mehr dagegen anverdienen konnte. Die Insolvenz war also programmiert.

Schadenfreude ist dennoch fehl am Platze. Sie wird den Piloten und Flugbegleitern nicht gerecht, die trotz allem gute Arbeit geleistet haben. Einen weiteren Grund gibt es, der Fluggesellschaft einen gelungenen Neustart zu wünschen. Denn die Ausgleichszahlungen für die verspäteten Urlaubsflüge landen jetzt auf der Insolvenztabelle. Und da Small Planet sich mit dem Begleichen dieser offenen Rechnungen in den vergangenen Monaten viel Zeit gelassen hat, dürfte die Tabelle sehr lang werden. Und die Passagiere sind wieder die Dummen.

Berlinspotter.de mit Small Planet Airlines GmbH, ots/Neue Westfälische

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