SHUTTLE NACH BERLIN - Die Flugverbindung Hannover - Berlin

Fotos und Berichte von den vier Berliner Airports aus vergangenen Zeiten

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modern air
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SHUTTLE NACH BERLIN - Die Flugverbindung Hannover - Berlin

Beitragvon modern air » Sonntag 4. Dezember 2016, 11:35

Erst Eröffnungsstrecke, dann Rennstrecke, dann Durststrecke:

Der Berlin-Verkehr ist eine Geschichte mit Höhen und Tiefen, kaum eine andere Verbindung hat die Entwicklung am Hannover-Airport über Jahrzehnte hinweg so stark geprägt. Die Luftbrücke von der Leine an die Spree war bundesweit nicht nur die kürzeste in die heutige Hauptstadt, sondern auch die mit den günstigsten Tarifen und dem größten Angebot an Flügen.Ein erster moderner Shuttle-Dienst …Der Flugverkehr von und nach Berlin nahm durch den Kalten
Krieg und die Teilung Deutschlands lange Zeit eine Ausnahmestellung ein. Die Siegermächte hatten für die ehemalige Reichshauptstadt einen Sonderstatus geschaffen, der bis 1990 Bestand haben sollte: Flugverkehr nach West-Berlin war nur amerikanischen, britischen und französischen Fluggesellschaften erlaubt. Und zwar durch drei festgelegte Luftkorridore – 32 Kilometer breit und 3.300 Meter hoch aus Richtung Hamburg, Frankfurt und Hannover.

Am 26. April 1952, pünktlich zur Hannover-Messe, konnte der Ur-Vater des Hannover Airports die ersten Fluggäste begrüßen – und aus einem Flugzeugschuppen und einem Feld aus Bombentrichtern war mit bescheidenen Mitteln ein richtiger Verkehrsflughafen geworden. An Bord der ersten gelandeten Maschine, einer Douglas DC-3 der British European Airways, befand sich Berlins Regierender Bürgermeister Ernst Reuter. „Dieser Flughafen ist für Berlin eine Lebensnotwendigkeit“, betonte er in seiner Eröffnungsrede.

Als am 26. April 1952 der Flughafen Hannover-Langenhagen nach knapp sechs Monaten Bauzeit pünktlich zur Hannover Messe mit einer aus Berlin kommenden Maschine der British European Airways (BEA) offiziell in Betriebging, fiel auch der Startschuss für den Berlin-Verkehr. Von nun an entwickelte sich die Strecke in die geteilte Stadt zu dem, was sie über vier Jahrzehnte lang blieb: ein Brückenpfeiler zwischen West und Ost. In den Jahren 1954 bis 1957 kamen über die sogenannte „Kleine Luftfrachtbrücke“ Tausende von Tonnen wichtiger Güter in die geteilte Stadt. In den Folgejahren erlebte die Luftbrücke einen für damalige Verhältnisse beispiellosen Höhenflug. Das Flugangebot verdoppelte sich bis Mitte der 50er-Jahre auf 12 Umläufe am Tag. Schon im November 1960 konnte British Airways den millionsten Fluggast begrüßen. Konkurrent Pan American, der im Oktober 1952 als zweiter Anbieter in den hannoverschen Markt eingestiegen war, meldete ähnliche Erfolge.

Zur endgültigen Rennstrecke avancierte die Verbindung dann ab Mai 1966, als Pan Am begann, Düsenmaschinen vom Typ Boeing 727 einzusetzen, durch die sich die Flugzeit nach Tempelhof von 50 auf 30 Minuten verkürzte. Zwei Jahre später
gingen auch die Engländer mit einer zweistrahligen Super One-Eleven an den Start. Als dann auch noch die Bundesregierung
die staatlichen Subventionen erhöhte und sich der Flugpreis von 68 auf 51 Mark verbilligte, gab es selbst für den
preisbewusstesten Berlinreisenden zum Fliegen keine Alternative mehr.

Der Flugboom nach Berlin bescherte dem Hannover Airport die mit Abstand meisten Passagiere und monatliche Zuwachsraten
im zweistelligen Bereich. Mehr noch: Mit durchschnittlich 3.000 Reisenden täglich und einer Maschinenauslastung von 80 bis
90 Prozent zählte die Berlin-Strecke Ende der 60er-Jahre zu den stärksten Städteverbindungen im damaligen Weltluftverkehr.
Die Nachfrage nach Tickets war so groß, dass das britischamerikanische Flugduo im 30-Minuten-Takt hin- und herpendelte
– ein erster moderner Shuttle-Dienst. Im Rekordjahr 1971 nahmen in den Fliegern rund 1,6 Millionen Fluggäste Platz – doch dann gerieten die Flüge in einen unbeabsichtigten Sinkflug. Berlin war für viele zwar immer noch eine Reise wert, aber nicht mehr mit dem Flugzeug. Das 1972 zwischen der Bundesrepublik und der DDR vereinbarte Transitabkommen, welches zu einer Normalisierung im Interzonenverkehr führte, veranlasste viele Menschen zum Umsteigen auf Auto und Bahn. Folge: Viele Flugsitze blieben leer. 1975 stellte Pan Am auf Grundlage einer bundesweiten Streckenaufteilungdie Berlin-Flüge ein. Nun hielt British Airways die Bastion Hannover ganz allein, der Abwärtstrend hielt aber an. Bis Mitte der 80er-Jahre verlor die einstige Paradeverbindung 80 Prozent an Volumen; das Jahresaufkommen sank auf den
Tiefstand von weniger als 280.000 Passagiere. Mit Werbekampagnen, Stand-by-Tarifen zu 48 Mark und ermäßigten Gruppenreisen gelang es jedoch, den Flugverkehr neu zu beleben. Im Mai 1988 nahmen sogar die Amerikaner den Dienst vorübergehend wieder auf. Kurz vor der Wiedervereinigung pendelten die Turboprop-Maschinen von Pan Am Express und British Airways zehnmal am Tag zwischen Leine und Spree, doch schon ein Jahr später, genau am 26. Oktober 1991, hatte die alliierte Luftbrücke nach 41 Jahren endgültig ausgedient. An diesem Tag hob der letzte Berlin-Flug von British Airways vom Hannover Airport ab.

Q: http://d-nb.info/1024271854/34 mit Fotos !! / : Hannover Airport
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