Emirates: Nun doch bald nach Berlin

Nach jahrelangen Bemühungen scheint Emirates dem Ziel ganz nahe: eine Flugverbindung zwischen Dubai und Berlin könnte demnächst starten.

Boeing 777 in den Farben der Emirates
Boeing 777 in den Farben der Emirates während des Staatsbesuchs in Berlin

Am vergangenen Freitag (11.9.2026) dürften in Dubai die (alkoholfreien) Sektkorken geknallt haben: Im Rahmen des Staatsbesuchs von Scheich Mohammed bin Sajid Al Nahjan sickerte durch, dass Emirates nun wohl doch Verkehrsrechte für ein fünftes Ziel in Deutschland eingeräumt werden. Die Airline hatte sich darum seit vielen Jahren bemüht.

Hintergrund des Sinneswandels im Verkehrsministerum dürften die versprochenen Milliarden-Investitionen in Deutschland sein, die Scheich Mohammed bin Sajid Al Nahjan in Aussicht stellte. Bislang dürfen die Fluggesellschaften der Vereinigten Arabischen Emirate, zu denen neben Emirates auch Etihad Airways (Abu Dhabi) zählen, laut einem Staatsvertrag nur vier Ziele in Deutschland bedienen: Frankfurt, München, Düsseldorf und Hamburg.

Wann die neue Verbindung startet, wurde noch nicht mitgeteilt. Aus dem Verkehrsministerium hieß es lediglich, dass die neue Route 7x wöchentlich angeboten werden soll. Aus informierten Kreisen heißt es, dass Dubai – Berlin im Dezember anlaufen soll. Zunächst muss aber ein neuer Staatsvertrag aufgesetzt und unterschrieben werden. Erst danach wird es wohl ein definitives Startdatum geben.

Verkehrsrechte als langjähriger Knackpunkt

Verkehrsrechte werden zwischen zwei Staaten verhandelt – in diesem Fall zwischen den Verkehrsministerien von Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emirates (VAE). Der seit Jahrzehnten gültige Staatsvertrag erlaubt den Fluggesellschaften beider Länder drei Ziele im jeweils anderen Land anzufliegen. Emirates bediente in Deutschland zunächst Frankfurt, München und Düsseldorf ab Dubai.

Cabin Crew bei Emirates (© Emirates)

Um die Jahrtausendwende ging es dann los, dass die arabische Airline ein weiteres Ziel – nämlich Hamburg ebenfalls ansteuern wollte. Das ließ der Staatsvertrag aber nicht zu. Lobbyisten wurden in die Bahnen geschickt und machten gut Wetter. Lufthansa als größte deutsche Fluggesellschaft mauerte, denn man hatte natürlich kein Interesse daran, die Premiumairline vom Golf weiter zu stärken. Doch das Emirat spielte eine Trumpfkarte aus: schließlich sei man größter Kunde des Airbus A380, der in Hamburg gebaut wurde und tausende Arbeitsplätze sicherte. Und so kam es, dass Emirates doch noch ein viertes Ziel in Deutschland bedienen durfte: Hamburg. Seitdem heißt es im Staatsvertrag 3+1 Ziele in Deutschland für Airlines aus der VAE.

Das weckte natürlich Begehrlichkeiten und es dauerte nicht lange, da ließ man verlauten, dass nun auch Berlin und Stuttgart in das EK-Streckennetz integrierte werden sollen. Seitdem schickt Emirates zu jeder ILA einen Airbus A380 nach Berlin, der dort mehrere Tage verweilt, um den Anspruch zu untermauern. Bundeskanzlerin und Bürgermeister werden mehr oder weniger mit wirtschaftlichen Druck (wichtiger Airbus-Kunde!) zu einem Pressetermin einbestellt und das ganze im Anschluss mit allen PR-Mitteln ausgeschlachtet.

Die politisch gut vernetzte Lufthansa-Gruppe hat natürlich ihre Lobbyisten in die Spur geschickt. Denn was könnten die Emirate denn den deutschen Airlines als Ausgleich anbieten? Weitere Ziele in der Wüste? Sinnvoll sind derzeit nur Dubai und Abu Dhabi. Eine Zeit lang wurde auch der auf Fracht spezialisierte Flughafen Sharjah von Deutschland aus angeflogen. Aber mehr ist nunmal nicht vorhanden. Fujairah? Macht wirtschaftlich wohl eher keinen Sinn.

Das weiß Emirates natürlich auch und bietet der Lufthansa seit Jahren eine Art „Open Sky“ an – also völlige Freiheiten zwischen beiden Ländern. Nur können die Emiratis vor Ort auf eine ganz andere Kostenbasis (Arbeitskräfte, Infrastruktur) zurückgreifen, als ausländische Airlines. Inzwischen hat man mit Dubai World Central Airport (DWC) einen kompletten Flughafen nur für Emirates aus dem Wüstenboden gestampft, während alle andere Airlines am bisherigen Dubai Airport (DXB) verbleiben sollen.

Blick auf das Zentrum von Dubai (© Dubai Tourism)
Blick auf das Zentrum von Dubai (© Dubai Tourism)

Wer hat das Nachsehen?

Die ersten Verlierer dürften Condor und Eurowings sein, die bereits Flugverbindungen von Berlin nach Dubai unterhalten bzw. zum Winterflugplan 2026/27 wieder aufnehmen wollen. Denn beide Fluggesellschaften nutzen auf der Strecke ihre Standardrumpf-Flugzeuge vom Typ Airbus A320/321 mit nur einem Mittelgang. Kein Vergleich zum Widebody Boeing 777, der wohl zunächst zum Einsatz kommt.

Kritisch zur neuen Verbindung äußern sich natürlich die Lufthansa, die von Wettbewerbsverzerrung spricht, aber auch Gewerkschaften, die hiesige Arbeitsplätze sowie Arbeitnehmerrechte sowie Umweltstandards bedroht sieht. Während Berlin und Brandenburgs Wirtschaft frohlockt, kommt Kritik von der deutschen Luftverkehrsgesellschaft: „Wir sind entsetzt darüber, wie wenig die Interessen der deutschen Fluggesellschaften und der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unserer Unternehmen bei dieser Entscheidung berücksichtigt wurden“, sagte Michael Engel, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Fluggesellschaften (BDF), in einer Mitteilung. „Das ist der Ausverkauf deutscher Arbeitsplätze und ein weiterer Schlag in die Magengrube unserer Unternehmen“, so Engel.

op/Berlinspotter.de

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