2.500 Tage Verzögerung und kein Ende in Sicht

Auf dieses Jubiläum hätten die Verantwortlichen in Berlin wahrscheinlich gerne verzichtet. Am 7. April „feierte“, der noch immer in Bau befindliche neue Flughafen der Hauptstadt Berlin, 2.500 Tage Verzögerung seit dem ursprünglich geplanten Eröffnungstermin. Seither musste die Inbetriebnahme von BER mehrfach verschoben werden, denn die Probleme reißen einfach nicht ab.

Am BER (Foto: geraldfriedrich2, CC0 PD)

Eine Chronik des Schreckens

In den sieben Jahren, die bisher vergangen sind, mussten Kosten von sieben Milliarden Euro geschultert werden, vom Spott und Hohn der Öffentlichkeit gar nicht zu sprechen. Dabei hatte alles so schön begonnen.

Bereits kurz nach der Wiedervereinigung Deutschlands entstand die Idee eines neuen zentralen Berliner Flughafens. Er sollte die in die Jahre gekommenen drei Flughäfen von Berlin, Schönefeld, Tempelhof und Tegel ersetzen. Zu diesem Zweck gründeten die Länder Brandenburg, Berlin und der Bund eine eigene Gesellschaft, die den Bau abwickeln sollte. Einige Jahre später entschied man sich dafür, den Flughafen Berlin-Schönefeld auszubauen, Tegel und Tempelhof würden nach dem Abschluss der Arbeiten geschlossen werden. Der erste Eröffnungstermin wurde für das Jahr 2007 festgelegt.

Die ursprüngliche Idee, den Flughafen von privaten Anbietern bauen zu lassen scheiterte, die Gesellschafter entschlossen sich das Projekt selbst in die Hand zu nehmen. 2004 wurde das Projekt genehmigt und die Kosten mit 1,7 Milliarden Euro veranschlagt. Mehr als 4.000 Klagen führten zu jahrelangen Verzögerungen, erst 2006 genehmigte das Bundesverwaltungsgericht als letzte Instanz den Bau.

Im Herbst 2006 erfolgte der Spatenstich, die Eröffnung sollte nun fünf Jahre später im Herbst 2011 erfolgen. Zwei Jahre danach betrug das Budget bereits 2,2 Milliarden Euro, Grund waren zusätzliche Seitenflügel. 2009 erhielt der Flughafen seinen heutigen Namen BER. Ein Jahr später wurde der Eröffnungstermin um ein Jahr verschoben, denn eine Planungsfirma des Flughafens schlitterte in die Pleite. Nur vier Wochen vor der Eröffnung wurde diese neuerlich verschoben. Schuld war diesmal die Brandschutzanlage. Nun sollte es im März 2013 soweit sein. Doch auch dieser Termin hielt nur wenige Monate. Die Verantwortlichen nahmen nun den Oktober 2013 ins Visier. Die Kostenkalkulation stand in der Zwischenzeit bei 4,3 Milliarden Euro.

Wenig überraschend hielt auch der neue Termin nicht. Die neuerlichen Probleme mit der Brandschutzanlage, eine undichte Lüftung und zu kurze Rolltreppen erzwangen eine weitere Verschiebung des Eröffnungstermins. Sicherheitshalber kommunizierte man gleich gar kein Datum mehr. Einen neuen Geschäftsführer und zwei neue Technikchefs später waren zwar die Kosten auf 5,4 Milliarden Euro gestiegen, die staunende Öffentlichkeit wartete allerdings weiter auf ihren neuen Flughafen.

Der kam dann im Dezember 2014 und wurde mit der zweiten Jahreshälfte des Jahres 2017 festgelegt. Drei Monate später hatte die Gesellschaft einen neuen Geschäftsführer. Karsten Mühlenfeld hatte ebenso wenig Glück wie seine Vorgänger, er war nur sechs Monate später mit der Pleite einer der wichtigsten Baufirmen des Flughafens konfrontiert. Kurz darauf verhängte auch noch die Baubehörde wegen zu schwerer Rauchgasventilatoren am Hallendach einen Baustopp. 2017 wurde die Eröffnung auf 2018 verschoben und neuerlich der Geschäftsführer gewechselt. Daraufhin erfolgte die Festlegung auf den Herbst 2020 als aktuellen Eröffnungstermin von BER. Nach derzeitigem Stand benötigt die Flughafengesellschaft kein weiteres Geld.

Es wird eng

Das Warten auf die Bekanntgabe eines realistischen Eröffnungstermins des neuen zentralen Flughafens von Berlin gleicht seit Jahren dem Zufallsgenerator eines Spielautomaten. Dort bestimmt ein ausgeklügeltes elektronisches System, wann ein Symbol auf einer Gewinnlinie erscheint. Der Spieler drückt eine Taste und dann wandelt der Mikroprozessor die Zahlen des Zufallsgenerators in die vorhandenen Symbole des Spielautomaten um. Trifft der Spieler die richtigen Symbole, hat er gewonnen. Auf dieses Symbol warten die Flugpassagiere in Berlin bisher vergeblich. Denn bisher konnte noch jedes einzelne Eröffnungsdatum, das von den Verantwortlichen der Errichtungsgesellschaft genannt wurde, nicht eingehalten werden. Das letzte „Ergebnis“ zahlreicher Befragungen durch die immer ungeduldiger werdende Öffentlichkeit ist der Oktober 2020. Doch auch dieses Datum wird längst als unrealistisch angezweifelt.

VFW 614 am Flughafen Tempelhof (Foto: hansbenn, Pixabay CC0 PD)

Die letzten Hürden?

Im März dieses Jahres wurde bekannt, dass die Kabeltrassen des neuen Flughafens wahrscheinlich erst im Juli fertig werden. Und selbst dieser Termin ist noch mit einigen Risiken behaftet. Auch die Brandmeldeanlage ist bisher noch nicht fertiggestellt worden, weil es nach wie vor Probleme damit gibt. Erst wenn diese kritischen Teilbereiche tatsächlich fertig sind, können die Prüfungen beginnen, die zeigen werden, ob der Flughafen als Ganzes so funktioniert, wie erhofft. Nur wenn jetzt alles klappt, reicht die Zeit bis zur geplanten Eröffnung im Herbst 2020. Dann haben die alten Berliner Flughäfen endgültig ihre Schuldigkeit getan und können, verspätet aber doch, Zug um Zug in den „Ruhestand“ gehen.

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